Die Varroamilbe - der staatsfeind nummer 1

In den letzten 50 Jahren ist zwar die Anzahl der Honigbienenvölker weltweit gewachsen, doch in einigen Regionen der Welt hat der schlechte Gesundheitszustand der Bienenvölker besorgniserregende Ausmaße angenommen. Einer der Hauptverantwortlichen, wenn nicht der größte Feind der Honigbiene, ist eine kleine Milbe namens Varroa destructor.

Sie ist winzig und doch höchst gefährlich: Die Milbe Varroa destructor ist der größte Feind der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera). Der Parasit hat sich mittlerweile in großen Teilen der Welt ausgebreitet; ausgenommen Australien. Vor allem Europa und Nordamerika verzeichnen einen starken Milbenbefall. Und der Schädling bedroht die Bienengesundheit in Europa und Nordamerika maßgeblich: Ohne menschliche Hilfe stirbt dort ein von Milben befallenes Bienenvolk in der Regel innerhalb von drei Jahren aus.

Heimisch ist die Varroa-Milbe ursprünglich in Asien. Sie wurde das erste Mal vor 100 Jahren auf der Insel Java in Indonesien entdeckt. Der niederländische Zoologe Anthonie Cornelis Oudemans nannte sie Varroa jacobsoni. Ursprünglich befiel die Milbe die Asiatische Honigbiene (Apis cerana). Diese konnte sich über Jahrtausende erfolgreich an den Parasiten anpassen: Durch ausgeprägtes Putzverhalten im Stock und andere Verhaltensweisen bekämpfen die Bienen die Milben und begrenzen so den Schaden am Volk.


Apis cerana (Asiatische Honigbiene)

                   Apis Mellifera (Westliche Honigbiene)



Als europäische Siedler die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) nach Asien brachten, befiel die Varroa-Milbe auch diese. Mit den infizierten Völkern wurde der Parasit dann nach Europa eingeschleppt. Dort breitet sich die Milbe seit den 1970er-Jahren immer weiter aus.

Die Biologie der Milbe

Varroa destructor bedeutet „zerstörerische Milbe“: Der Name des Parasiten ist bezeichnend – dabei ist das Spinnentier kaum mehr als einen Millimeter lang und kann weder sehen noch hören. Der Körper der Milbe besteht aus vier Beinpaaren sowie den stechend-saugenden Mundwerkzeugen. Ihre Umgebung nimmt die Milbe über zahlreiche Rezeptoren in Sinneshärchen wahr, die über den ganzen Körper verteilt sind. Durch ihre flache Form und Haftborsten kann sich die Varroa-Milbe optimal am Bienenkörper festhalten. Mit den Mundwerkzeugen sticht sie dann in die „Bienenhaut“ (cuticula) und saugt die blutähnliche Flüssigkeit der Biene, die sogenannte Hämolymphe.


Männliche und weibliche Milben unterscheiden sich deutlich voneinander: Die Männchen haben eine rundere Körperform und sind gelblichweiß gefärbt. Sie sind außerdem mit einer Größe von 0,7 bis 0,9 Millimetern deutlich kleiner als die Weibchen. Diese messen rund 1,1 Millimeter in der Länge und 1,6 Millimeter in der Breite. Zudem sind sie stark sklerotisiert, haben also eine härtere Cuticula mit bräunlicher Färbung.

Der Parasit befällt sowohl adulte Bienen als auch ihre Brut. Die Varroa- Weibchen können auch außerhalb der Brutzellen überleben, indem sie sich an den adulten Bienen festsaugen. Der Parasit pflanzt sich aber ausschließlich in den geschlossenen Brutzellen der Bienen fort. Kurz vor dem Verdeckeln dringen die Varroa-Weibchen in die Brutzellen ein und wandern zum Boden der Zelle – sie verstecken sich zum Schutz vor den brutpflegenden Bienen unter den Bienenlarven. Dort liegen sie im Futtersaft der Bienenbrut. Ist dieser aufgebraucht, sticht die Varroamilbe die Bienenlarve und beginnt zu saugen. Der Parasit hat seinen Lebensraum und die Nahrung stark an seinen Wirt angepasst.


DIE VARROA-POPULATION KANN SICH WÄHREND DER SAISON ALLE VIER WOCHEN VERDOPPELN. EINE POPULATION VON 50 MILBEN KANN VON ANFANG FEBRUAR BIS ENDE AUGUST AUF ETWA 3.200 TIERE ANWACHSEN – UND SO AUCH EIN STARKES BIENENVOLK mit 10000-15000 Bienen ÜBER DEN WINTER TÖTEN.


Anders als die Honigbienen in Südostasien hat die Westliche Honigbiene keine ausreichenden Abwehrfunktionen gegen den eingeschleppten Parasiten. Die befallenen Bienen sind durch das Saugen an der Hämolymphe geschwächt, das Immunsystem wird angegriffen. Ihre Leistung sinkt ebenso wie die Lebensdauer. Zusätzlich überträgt der Parasit beim Saugen an den Larven für die Bienen gefährliche Viren direkt in ihre Hämolymphe. Während der sensiblen Entwicklungsphase der Biene können die Viren sich in ihr ausbreiten und sie schädigen. Varroa verstärkt die Ausmaße der Infektionen, denn in der Hämolymphe wirken viele Viren sogar tödlich. Da es noch keine wirksamen Medikamente gegen Bienenviren gibt, ist es essenziell, deren Ausbreitung über die Varroa zu kontrollieren.


Für Imker in Europa und Nordamerika gehört die Bekämpfung der Varroamilbe zu einer der Hauptaufgaben bei der Sicherung der Bienengesundheit. Besonders im Spätsommer besteht ihre wichtigste Arbeit darin, den Befall im Bienenstock einzudämmen. Nur so überleben genug Winterbienen die kalte Jahreszeit und können im nächsten Frühjahr wieder ein starkes Volk bilden.

Ausblick auf aktuelle Forschungsansätze

Züchtung Varroaresistenter Bienenpopulationen


Hilfe zur Selbsthilfe: Eine langfristige Lösung gegen das Milbenproblem ist die Züchtung Varroa-resistenter Bienenpopulationen. Erste Veranlagungen für eine Resistenz zeigen einige Völker bereits: Honigbienen mit dem sogenannten Varroa-sensitives Hygiene (VSH) Verhalten erkennen den Befall der Varroa-Milben in den verdeckelten Brutwaben und entfernen die infizierte Bienenpuppe mit dem Parasiten. Die Varroa-Milbe kann sich nicht mehr im Bienenstock vermehren. Dieses Verhalten war zunächst nur von der Asiatischen Honigbiene bekannt. Auf Grundlage dieser Beobachtungen wollen Forscher die Fähigkeit zur Verteidigung durch gezielte Zucht auch bei den europäischen Honigbienenpopulationen stärken und so langfristig Abhilfe gegen den Parasiten schaffen. Die Forschungen der Arista Bee Research Stiftung sind vielversprechend und könnten die Bienengesundheit in Zukunft maßgeblich verbessern – dafür bedarf es aber noch einiger Jahre. Forscher und Imker müssen daher auch weiterhin kontinuierlich an neuen Behandlungen zur Bekämpfung der Varroa-Milbe arbeiten.